Wieviel Steuern zahlen Sie eigentlich?

Haben Sie wenigstens eine vage Idee, wieviel Ihres hart erarbeiteten Einkommens Ihnen der Staat tatsächlich abknöpft? Falls nicht, befinden Sie sich leider in guter Gesellschaft. Vᴏɴ Mɪᴄʜᴀᴇʟ Mɪʟsᴄʜ.

Wissen Sie eigentlich, wieviel Steuern Sie zahlen? Wenn man mal im Kreise der Bekannten und Kollegen nachfragt, stellt man fest: Es herrscht oft Ahnungslosigkeit. Wenn überhaupt, dann haben die meisten ihre Abzüge von Lohn und Gehalt parat. Die Mehrwertsteuer wird oft verdrängt oder vergessen, Verbrauchs- und Verkehrssteuern sind häufig gar nicht auf dem Schirm.

Es ist ein seltsames Phänomen, dass sogar Menschen, die akribisch ihre Haushaltsausgaben nach Sonderangeboten planen, die ihnen ein paar Cent bringen, die Schwankungen des Benzinpreises verfolgen, um ihre Tankstopps zu planen, kaum eine Idee davon haben, was ihnen der liebe Staat unterm Strich so aus der Tasche zieht. Wäre dieses Bewusstsein ausgeprägter, würden vermutlich die Grünen nicht bei knapp 20% in den Umfragen stehen, und die Debatte um eine CO2-Steuer würde anders geführt werden.

Mit dem Auto zum Supermarkt und eine Flasche Sekt gekauft – das freut den Fiskus

Machen wir zunächst ein kleines Rechenbeispiel: Sie fahren mit Ihrem Auto zum Supermarkt, um eine Flasche Billigsekt zu kaufen – wieviel verdient der Staat an dieser Aktion? Sagen wir, die Flasche sei mit 2,99 € im Angebot. Darin enthalten sind 1,02 € Sektsteuer und 0,48 € Mehrwertsteuer, macht nach Adam Riese 50% für den Staat. Wenn Sie dann noch einen halben Liter Super verfahren, zahlen Sie dafür weitere 0,73 €, wovon allein 0,32 € auf die Energiesteuer (Mineralölsteuer) und 0,12 € auf die unvermeidliche Mehrwertsteuer entfallen: Steueranteil 60%. Am Ende haben Sie dann 3,72 € ausgegeben, von denen über die Hälfte an den Fiskus geht.

Allerdings reichen 3,72 € Lohn/Gehalt nicht aus, um sich die kleine Fahrt nebst Erwerb des günstigen Schaumweins zu leisten. Denn das alles bezahlen Sie mit Ihrem Nettoverdienst, also mit Einnahmen, die Sie über die Lohn- bzw. Einkommensteuer schon zuvor versteuert haben. In Abhängigkeit Ihres Verdienstes reicht die Spanne der Einkommensteuer von 0-46%, der Durchschnittssatz liegt bei etwa 25%. Setzen wir diesen an, so müssten Sie fast 5 € verdienen, um letztlich Waren im steuerbereinigten Wert von unter 2 € zu erwerben. Steueranteil: 64%.

Die nachfolgende Grafik fast den Sachverhalt und alle Zahlen zusammen:

Übrigens wurde in dieser kleinen Modellrechnung die Kfz-Steuer vernachlässigt, die sie natürlich auch noch berappen müssen, um überhaupt mit dem Auto unterwegs sein zu können. Bei den Abzügen vom Gehalt wurden Soli-Zuschlag und Kirchensteuer großzügig unter den Tisch gekehrt, ebenfalls die Sozialversicherungsbeiträge, die streng genommen keinen Steuercharakter haben, dennoch aber Zwangsabgaben darstellen.

Steuerbelastungen von 60% sind üblich, und da ist die Sozialversicherung noch gar nicht drin

Nun kann man einwenden, dass dieses Beispiel durch die hohen indirekten Steuern auf Benzin und Sekt nicht repräsentativ sei. Produkte mit 50-60% Verbrauchs- und Verkehrssteuern sowie weiteren staatlichen Abgaben sind doch eher die Ausnahme – oder? Sagen wir mal so: Wenn Sie statt Sekt lieber härtere Sachen trinken, schlägt eben die Branntweinsteuer zu. In ihrem Strompreis stecken 7% Stromsteuer und über 23% EEG-Umlage. Rauchen Sie? Etwa 3 € Tabaksteuer pro Schachtel wird fällig. Und die allgegenwärtige Mehrwertsteuer kommt mit 19% überall obendrauf. Konsum, bei dem der Staat die Hälfte abzweigt, kommt vermutlich häufiger vor, als viele Bürger meinen.

Andererseits: Für den gesparten Anteil Ihrer (versteuerten) Einkünfte zahlen Sie keine weiteren Steuern (was fair ist, Sie bekommen schließlich auch keine Zinsen dafür). Wenn Sie es allerdings in Wertpapieren anlegen, dann werden früher oder später 25% Kapitalertragsteuer eingezogen. Ihre private Wohnungsmiete ist sogar mehrwertsteuerfrei, in den Nebenkosten allerdings verbirgt sich dann schon wieder die umgelegte Grundsteuer des Vermieters.

Näherungsweise dürfte folgende Vereinfachung ganz stimmige Ergebnisse liefern: Ein Drittel des Nettoverdienstes ist mit 50% Steuern und Abgaben belastet, ein weiteres Drittel mit 25% (i.w. sind das 19% MWSt.) und ein weiteres Drittel bleibt steuerfrei. Durchschnittlich wäre demnach das Nettoeinkommen mit 25% belastet.

Rechnen wir das mal für einen Geringverdiener aus, der auf sein Bruttoeinkommen nur den Eingangssteuersatz von 14% zahlt. Ihm bleiben also von 100 € Gehalt 86 € netto. 25% davon sind 21,50 €, zusammen mit der Einkommensteuer ist seine Steuerbelastung demnach 35,5%! Noch einmal: Sozialversicherungsbeiträge, Soli und ggf. Kirchensteuer sind da noch nicht bezahlt.

Die gleiche Rechnung für einen sogenannten „Besserverdienenden“ führt übrigens rasch zu Steuerbelastungen von 60% und mehr.

Rein fiskalisch gesehen ist eine Obergrenze für Steuern sinnvoll

Haushaltssaldo Deutschland (seit 2014 Überschüsse)

Ist den Bürgern eigentlich wirklich klar, dass – je nach persönlichen Verhältnissen – ein Drittel bis zwei Drittel des Bruttoverdienstes im Steuersäckel landen? Dass die gesamte Steuer- und Abgabenlast, wenn man die Finanzierung der Sozialsysteme hinzurechnet, locker auf 50-70% kommt? Und dass auf der anderen Seite der Staatsaushalt seit 2014 regelmäßig Überschüsse erzielt? Von finanziellen Engpässen der öffentlichen Hand kann also wirklich nicht die Rede sein.

Wenn man nun als vorrangige Aufgabe des Steuerwesens die Deckung des öffentlichen Finanzbedarfes ansieht, die ja mehr als gegeben ist, dann kann die logische Konsequenz dieser Erkenntnisse nur sein, dass es in Deutschland keinen Raum für Steuererhöhungen gibt. Sondern dass im Gegenteil die Steuer- und Abgabenlast insgesamt abgesenkt werden muss, und dass neue oder erhöhte Steuern regelmäßig durch Entlastungen an anderer Stelle überkompensiert werden müssen.

Als politische Maxime hat das so klar nur eine einzige der im Bundestag vertretenen Parteien formuliert, nämlich ausgerechnet die AfD, der man gern unterstellt, sie habe kein Steuerkonzept. Leider ist deren Forderung einer „Steuern- und Abgabenbremse im Grundgesetz, um die maximale Summe der Belastung auf einen bestimmten Prozentsatz im Verhältnis zum BIP festzuschreiben“, weit hinten im Grundsatzprogramm (vgl. S. 146/147) verborgen und wird von der Partei auch nicht sonderlich offensiv propagiert. Immerhin verlangt aber auch die FDP im Grundsatzprogramm (vgl. S. 88) eine grundgesetzliche Obergrenze, allerdings ausdrücklich begrenzt auf direkte Steuern.

Linke wollen „mit Steuern steuern“ und umverteilen

Doch diese konservativ-liberale Sicht auf Steuern als staatliche Finanzierungsquelle wird zunehmend von der linken Weltsicht verdrängt, in der Steuern ganz massiv eine Lenkungs- und Umverteilungsfunktion zukommt. Großmeister dieses staatlichen Raubrittertums sind die Grünen, die das auch stolz und fröhlich in ihre Programmatik schreiben: „Mit Steuern kann man steuern.“ Ansgar Neuhof hat bei einer Analyse des grünen Europa-Wahlprogramms gleich 11 (in Worten: ELF) neue oder zu erhöhende Steuern ausgemacht. Die Kohle, die man so dem ohnehin schon geschröpften Bürger aus der Tasche zieht, soll dann über dubiose europäische Fonds verteilt werden: etwa an „verfolgte Wissenschaftler“, „Demokratie- und Menschenrechtsaktivisten“, für Naturschutz und Migration.

Sie dürfen raten, welche Personen und Organisationen die Nutznießer solcher Umverteilungen im großen Stil sein werden. Und obendrauf kommt natürlich die auch von der SPD heißgeliebte CO2-Steuer, mit der dann endlich auch die Luft zum Atmen als besteuerbares Objekt realisiert wird. Was allein das bedeuten wird, können Sie HIER nachlesen.

Die Duldsamkeit der Deutschen scheint endlos zu sein

Es ist wohl der Duldsamkeit der Deutschen zuzuschreiben – oder sollte man es Trägheit nennen – dass die bestehende Steuer- und Abgabenlast mehrheitlich nur noch müde zur Kenntnis genommen wird, wenn sie denn überhaupt bewusst ist. Und dass linke Parteien, die noch mehr und unverschämter in den Geldbeutel greifen wollen, nicht im übertragenen Sinne mit der Dachlatte vom Hof gejagt, sondern im Gegenteil noch in Talkshows und Wahlumfragen goutiert werden.

Menü schließen